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May 27 2013

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May 26 2013

17:03

September 25 2011

07:12

December 11 2010

17:09

Wir Freizeit-Blogger

Viele Blogger scheinen ja nicht unbedingt den Bestseller zu lesen. Zugegebenermaßen gehöre ich auch nicht wirklich dazu. Diesmal erschien dort ein Artikel zum klassischen Blogger versus Journalisten Thema. Soweit, so abgedroschen. Interessant ist allerdings, dass es bei solchen Artikeln dann doch immer einen Journalisten/Chefredakteur gibt, der das Thema noch vom 90er Jahre Standpunkt aus betrachtet. Diesmal war es ausnahmsweise nicht Armin Thurnher, der übrigens auch genügend ignoranten Blödsinn über Wikileaks in seinem aktuellen Leitartikel geschrieben hat, der auch eines Rants würdig wäre. Aber es gibt wichtigeres als die Frustration eines alternden Chefredakteurs würdig zu behandeln. Thurnherr hat zumindest erkannt hat, dass es nicht er oder sein Medium sein wird, das den Mediamil Komplex zerstören wird, es wird das Internet sein.

Aber zurück zu Christian Rainer, der erhellt uns im Bestseller mit folgender revolutionärer Erkenntnis:

“Blogger, die nicht Journalisten sind, sind keine Journalisten. So einfach ist das.”

Ah ja. Jetzt wissen wir also, wie messerscharf Herr Rainer hier eine Grenze zieht, ich verneige mich ehrfürchtig vor so viel geballter analytischer Macht. Aber Herr Rainer hat noch mehr bahnbrechendes zu sagen:

Denn sie hätten weder die Ausbildung noch die Erfahrung und auch keine Ahnung von den ethischen Benchmarks, die für professionelle Journalisten gelten.

Apropos ethische Benchmarks, da kann man jede Menge dazu auf Kobuk nachlesen. Oder meint Herr Rainer damit den Benchmark der hierzulande übliche Verquickung von Anzeigengeschäft und Redaktion? Aber es wird noch besser:

So gesehen würden die nichtjournalistischen Blogger auch keine Gefahr für Medien darstellen: “Freizeitblogger könnten zur Konkurrenz für Hansi Hinterseer werden, denn sie konkurrieren um Freizeit.” Journalistische Blogger, insbesondere profil-Journalisten, wären hingegen ein Rückrad für profil online.

Tja, Herr Rainer. Leider haben Sie gar nichts verstanden. Blogs gibt es nämlich auch unter anderem deswegen, weil uns alle diese arrogante Haltung extrem nervt. Gerade das ehemalige Nachrichtenmagazin (frei nach fefe) profil beweißt, wie schlecht es mittlerweile um unabhängige und kritische Berichterstattung in Österreich bestellt ist. Übrigens gibts bei profil meines Wissens keinen einzigen Blogger keine einzige Bloggerin, ein paar Texte online stellen, reicht da nämlich noch lang nicht aus. Wer’s nicht glaubt kann gern einen Blick auf die gesammelten Spam Kommentare im Profil Blog hier werfen. Immerhin es könnte ja auch gar niemand dort kommentieren!-)

December 04 2010

17:09

Die Lehren aus Wikileaks / Cablegate

Die Vertreter der Nomenklatura haben es derzeit schwer. Zu bestaunen waren sie zum Beispiel in der Form von Albert Rohin und Ursula Plassnik im Club2. Gerade im Bereich der Diplomatie gibt es jede Menge Herrschaftswissen und Codes, die jetzt unter anderem von Wikileaks entschlüsselt und veröffentlicht werden. Plassnik, Rohin aber auch Klenk waren im Club2 die Verteidiger des Status Quo - ihres Herrschaftswissens quasi. Da ist der Ruf nach einer Kontrolle der Kontrolleure bei Wikileaks ausgesprochen hahnebüchen, denn auch Klenk wird durch niemanden kontrolliert und nimmt sich sogar das Recht heraus, seine Informationen zu filtern. Im Gegensatz dazu veröffentlicht Wikileaks immer die gesammten Dokumente ganz ohne eigene Interpretation und Filter. Seis drum, auch die Bierkutscher konnten sich langfristig nicht halten und so wird es auch den Bewahrern der alten verschlossenen Welt gehen. Mir geht es um etwas anderes, nämlich die Frage, wie kann man Wikileaks verbessern bzw. die Idee vorantreiben?

Wikileaks muss sich von Assange emanzipieren

Schon eine komische Sache, dass jemand, der der USA massiv ans Bein pinkelt, plötzlich einen internationalen Haftbefehl ausgesetzt wird, aber solche Zufälle soll es geben. Sie sind ungefähr genauso wahrscheinlich, wie dass ein Staatsanwalt vergisst gegen einen ehemaligen Minister zu ermitteln. Herr Assange sollte sich aber tatsächlich Sorgen machen. Abgesehen von diesen durchaus dubiosen Vorgängen, die seit Guantanamo aber niemanden mehr wundern sollten, ist es notwendig für Wikileaks, sich von seinem durchaus verdienten Gründer zu emanzipieren und zu beweisen, dass es sich dabei um keine One-Man-Show handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist aber gering, weil Assange sich von kritischen Mitstreitern getrennt hat, die jetzt ein eigenes Projekt aufziehen werden. Eh nicht schlecht, sollte Wikileaks untergehen, gibt es wengstens gleich was Neues.

Es braucht ein dezentrales DNS

DNS, TCP/IP und das ganze Netzwerkzeug ist echt nicht mein Ding, aber spätestens seit der DNS Provider die Wikileaks.org Domain gekappt hat, wurde wieder aufgezeigt, was ohnehin klar war. Unser gesamtes DNS System hängt von den USA ab. Das ist weder im Sinne eines dezentrales Netzes, das auch dann noch funktionieren sollte, wenn wesentliche Teile ausfallen, noch im Sinne der Europäischen Union. Keine Ahnung, wie man sowas umsetzen könnte, aber hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Es braucht ein einfaches torrent ähnliches System für Wikileaks

Warum funktioniert das torrent System so gut? Weil es keine Zentrale gibt und sich deswegen die Musik- und Filmindustrie daran die Zähne ausbeißt. Sie können zwar jeden einzelnen Seeder klagen, aber bekommen dadurch noch lange nicht die Werke aus dem Netz. Wikileaks ist ein wenig wie Napster. Es hält die Daten zentral und ist dadurch leichter angreifbar. Es werden zwar auch jetzt schon die Wikileaks Dokumente auch als torrents angeboten, aber dabei geht es nur um die bereits veröffentlichten. In einem idealen System sollten bereits die geuploadeten Dokumente verschlüsselt in einer Art torrent System aufgespielt und an alle Teilnehmer verteilt werden.

Es braucht alternative Zahlungsforme zu Mastercard, VISA und Paypal

Andere Zahlungsformen gibt es zu Hauf, aber keine ist so bequem wie die drei. Leider stehen alle drei unter US-Einfluss und Paypal hat bereits den Zahlungsfluss für Wikileaks gekappt. Auch hier sollte die Europäische Union Alternativen fördern, um die Abhängigkeit zu beenden.

Es braucht ein Austroleaks, Germanyleaks, EUleaks etc…

Berechtigterweise handelt Wikileaks derzeit nur die großen Fälle ab, kleinere Dinge, die in der Summe aber wahrscheinlich mehr Einfluss hätten, bleiben auf der Strecke. Ich selbst kenne Leute, die z.B. durchaus interessante Vorabberichte aus dem Rechnunghof an Wikileaks übermittelt haben und dort aber nicht veröffentlicht wurden. Deswegen brauchen wir ein Austroleaks, wo Whistleblower schnell und einfach Dokumente übermitteln können. Ich denke das wäre ein interessantes Projekt fürs CreateCamp.

November 26 2010

07:55

Eventtipp: Wolfgang Lorenz Gedenkpreis

2008 machte sich der erfolgreiche ORF-Direktor - immerhin wurde er weder abgesetzt, noch musste er zurücktreten - Wolfgang Lorenz, bekannt für seine epischen Beiträge zur Hochkultur wie zum Beispiel “Mitten im 8ten“, auf, den Wert der Medien und deren Nutzung ins richtige Licht zu rücken und ein für alle mal klar zu stellen, wo das Internet seiner Meinung nach hingehört.

An dieser Stelle ein Zitat aus Sebastian Bauers Blog, der bei Lorenzs historischer Rede anwesend war:

Bis auf einmal Prof. Wolfgang Lorenz, der Programmdirektor Fernsehen des ORF, von einem „scheiß Internet“ zu reden beginnt. Hat er das gerade wirklich gesagt, „scheiß Internet“? Er hat! Und wird nicht müde es zu wiederholen, er redet sich geradezu in Ekstase. Die Jugend von heute sei nicht in der Lage sich richtig zu artikulieren. Außer in Postings im Internet. Und ihm sei es „scheißegal“, was wir in diesem Internet machen würden.

Auf heftigen Widerspruch aus dem Publikum und die Feststellung, dass man im Internet interessantere Angebote finden würde als sie der ORF biete, folgte der Sager des Abends. „Es ist mir scheißegal, ob Sie zuschauen oder nicht.“ Wortwörtlich hat er es so gesagt, der Programmdirektor des ORF.

Um diese Aussagen entsprechend zu würdigen, wird heuer schon zum zweiten Mal der Wolfgang Lorenz Gedenkpreis vergeben, um jene zu würdigen, die ganz im Sinne des ORF-Direktors werken. Im unermüdlichen Einsatz für die Internetfreiheit richtet monochrom mit Host Johannes Grenzfurthner die Veranstaltung aus. Nominiert sind folgende Personen:

  • Nominierung von Mathias Döpfner, weil er der Gratiskultur endlich einmal den Garaus macht und die Verlegerlandschaft und vor allem vorneweg seinem Medienhaus Axel Springer AG endlich wieder finanziellen Boden verschafft. Damit zeigt er der Medienindustrie den Weg aus der Krise, so wahr die Bild-Zeitung ein Qualitätsblatt ist.
  • Nominierung von Josef Ostermayer, stellvertretend für die österreichische Bundesregierung. Diese hat das neue ORF-Gesetz beschlossen, das nicht nur eine Beleidigung für alle GebührenzahlerInnen ist, sondern auch ein Kniefall vor dem VÖZ. Um den Verlegern entgegenzukommen, wurde die Futurezone abgedreht. Die Futurezone stellte ein - wenn nicht das - wesentliche Online-Angebot des ORF dar, das den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllte und abseits von jeder Anbiederung an Moden, Trends oder politische Interessen eine neutrale, eloquente und genau recherchierte Berichterstattung in Sachen Netzpolitik und Technologie zur Diskussion stellte.
  • Nominierung von Stephanie zu Guttenberg für ihre Verdienste um die Wegbereitung von Netzsperren und Onlineüberwachung. In Ihrem Kampf gegen Kinderschänder und für Netzsperren scheinen auch drastische Mittel gerechtfertigt. Da geht es schon mal, dass ein Quotensender in Medienpartnerschaft mit der Bild-Zeitung Lockfallen im Internet aufstellt, und den Rechtsstaat mal außen vor läßt.
  • Matthias Horx ist nominiert für seine Verdienste auf dem Gebiet der Zukunftsfehlprognosen. Zuletzt für seine Aussage, ‘Soziale Netze’ seien nur etwas für soziale Verlierer, die sich gerne gegenseitig die Unterhose zeigen. ‘Nuff said.
  • Nominierung von Frank Schirrmacher, vielkopierter Beschwörer des Kampfes zwischen Mensch und Algorithmus, Apple-Fanboy mit Hirnforschungshobby (”Multitasking ist Körperverletzung”). Es war aber auch wirklich schon Zeit.
  • Nominierung der Firma Kleiderbauer in der Kategorie “Unverhältnismäßigkeit der Mittel”, stellvertretend für all die Abmahn- und Klagsfetischisten, die den Unterschied zwischen KleinstbloggerInnen und Medienkonzernen entweder nicht wahrnehmen oder bewusst negieren. Da sollte man meinen, seit der Vorjahresnominierung von Jako und Jack Wolfskin hätte ein Lernprozess stattgefunden. Aber schneckn. Kritiker durch Einschüchterung mundtot machen, ist Dank Kleiderbauer & Co. salonfähig; Privatpersonen mit Prozesskosten niederknüppeln bleibt auch diese Saison modern.
  • Nominierung für Bernhard Heinzlmaier. Heinzlmeiers Einzelmeinung, die der Meinungsforscher nach dem Bilde Schirrmachers schuf, übersieht eine wichtige Tatsache: Facebook fragmentiert nicht nur, es provoziert, es schwitzt geradezu Hochkultur: überall rinnt sie heraus, und keiner bewahrt sie, die Hochkultur. Aber man steigt nie rein, kriegt nie nasse Füße, wenn man lauter dämliche “Freunde” hat. Dieses Dilemma muss aber irgendwie abgedichtet werden, bevor Buridans Esel auch noch ertrinkt. Bringen Sie Ihre Rohrzangen mit.
  • Die Telekommunikationsanwendung namens Internet hatte der ehemalige ORF-Online-Prophet Franz Manola fest im Griff, manche behaupten sogar, er habe sie erfunden. Nun wird das Internet ja bekanntlicherweise leider weltweit zunehmend unwichtiger und da sah sich Franz Manola schweren Herzens gezwungen auf “HD-Prophet” umzusatteln (böse Zungen behaupten, das hätte etwas mit einem Karrierewechsel zu tun, aber was die Leute auf Facebook so sagen, ist ja nur Blödsinn). Wir gratulieren Franz Manola zu seinem weitsichtigen Gespür für die Erfordernisse der Realität. Als echter Österreicher sitzt man bekanntlicherweise ja ohnehin lieber vor dem Fernseher als am Information-Superhighway und dank Franz Manola kann man sich dort vom österreichischen Super-Duper-Qualitäts-HD-TV in Farbe und bunt berieseln lassen.

Ich habe übrigens die Ehre, heute Abend die Nominierungsrede für Matthias Horx halten zu dürfen. Mir persönlich ein besonderes Anliegen ist doch der Terminus Zukunftsforscher ein Oxymoron. Abgesehen davon find ich Unterhosen zeigen ganz toll!-))

Wer also heute noch nichts besseres vor hat und jene ehren will, die unermüdlich gegen den Untergang unserer Kutltur kämpfen, sollte heute um 20 Uhr im Figurentheater Lilarium vorbei schauen. Details gibt es auch hier in diesem Facebook Event. Krieg ich jetzt meine Schokobanane?

November 14 2010

17:07

Stirb, Twitterwall, stirb!

In meiner mittlerweile doch recht regen Konferenz- und Barcampaktivität habe ich bisher noch nie eine Twitterwalleinbindung erlebt, die für die Veranstaltung irgendetwas Sinnvolles gebracht hätte. Egal, ob auf der re:publica, einem Barcamp oder gestern am Word Blogging Forum, sobald eine Twitterwall im Spiel ist, kriegen sich die versammelten Kommunikationsprofis nicht mehr ein und ätzen, was das Zeug hält.

Zotendruck

Ob berechtigt oder unberechtigt, wichtig ist die Zote, der Lacher, um auch endlich mal den großen Mann auf der Twitterwall markieren und seine 15 Sekunden Ruhm einheimsen zu können. Manche davon können ja wirklich durchaus charmant und witzig sein, aber für die Veranstaltung bringt das nur selten etwas. Meistens schaukelt sich die Stimmung allerdings auf und dann wird auch schon mal darüber gelästert, ob der Referent denn schwitze und/oder lisple. Und schließlich finden sich dann 100%ig jene, die behaupten, die Twitterwall würde zensuriert werden, als ob die Veranstalter nicht besseres zu tun hätten als jeden Tweet zu moderieren, selbst wenn, sollte man sich fragen, warum gerade die obigen unterirdischen Tweets durchgehen.

Keine Chance für die Vortragenden

Für die Vortragenden sind Twitterwalls abgesehen von diesen Schlägen unter die Gürtellinie ebenfalls kaum sinnvoll einzubinden. Als Vortragender muss man sich vor allem auf seinen Vortrag (sic!) und das anwesende Publikum konzentrieren. Man verlangt also schlicht unmögliches Multitasking.

Letztlich gibt es auch technisch keine Rechtfertigung für eine Twitterwal mehr. Jeder Teilnehmer an einer solchen Konferenz hat mindestens ein Device zur Verfügung, wo er den Twitterstream zur Veranstaltung jederzeit und nach eigenen Vorlieben mitverfolgen kann. Freilich entfällt dann die Möglichkeit, den eigenen Namen aufs Podium zu schummeln und vielleicht sogar für einen kollektiven Lacher zu sorgen.

Wenn wir alle von der Möglichkeit sprechen, dass Social Media wegen seines Rückkanals besonders wichtig für den Dialog sei, dann kann bestimmt nicht die Twitterwall gemeint sein. Denn dieser Rückkanal ist vergiftet. Twitterwalls treten den Vortragenden von hinten in den Allerwärtesten und erwarten sich dann ein freundliches Danke. Twitterwalls sind immer mehr wie der Depp, der beim Klassenfoto Eselsohren macht.

Ich will auf einer Veranstaltung zu allererst zuhören, was die Vortragenden zu sagen haben und anschließend nach Möglichkeit thematisch und vielleicht auch emotional diskutieren, aber ich will nicht einer Reihe von Reserve-Kabarettisten auf der Suche nach dem nächsten schlechten Witz ausgesetzt sein.

November 10 2010

08:40

Was soll kommen, wenn rot/grün kommt

Vor ein paar Wochen war ich bei der Grünen Wirtschaft zu einer Diskussion über die Grünen am Podium eingeladen, die vor allem dem Fokus darauf hatte, was die Wiener Grünen in Zukunft verbessern/verändern müssen. Mit am Podium waren Hans Rauscher, Volker Plass und der einzig verbliebene grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger. Nicht immer ist es mir gelungen, meine Argumente auf den Punkt zu bringen, und es konnte sich schon allein deshalb keine gute Diskussion entfalten, weil Hans Rauscher mehr auf Pointen als auf Diskurs aus war. Fürs Podium vorgesehen wäre übrigens Christoph Chorherr gewesen, der sich mit dem ungünstigen Zeitpunkt entschuldigte. Für eine Partei ist allerdings so ziemlich jeder Zeitpunkt schlecht, um über die eigenen Fehler und das Verbesserungspotenzial zu sprechen.

Ich bin es aber auch leid auf den kapitalen Fehlern der Grünen immer wieder herumzureiten, zu mal dort ohnehin kein Veränderungswille besteht. Die Wiener Grünen haben sich entschieden, ihren Weg als klassische Partei zu gehen und das ist auch zu akzeptieren und für mich nur mehr in der Wahlzelle zu beurteilen. Und nachdem ich diesmal nicht (mehr) Grüne gewählt habe, steht mir eine weitere Beurteilung der internen Meinungsfindung auch nicht mehr so ganz zu.

Deswegen möchte ich mich diesmal dem Thema widmen, was ich mir konkret von Rot-Grün in Wien erwarte bzw. erhoffe.

Etablierung einer Fehlerkultur

Daran fehlt es in der österreichischen Politik ganz besonders. Ich erwarte mit von Rot-Grün, das dort - wie überall auch - Fehler gemacht und diese zur gemeinsamen, öffentlichen Überlegung genutzt werden, was beim nächsten mal verbessert werden kann. Eintrittswahrscheinlichkeit: 0%

Mehr Demokratie

Das komische Wahlrecht, das starke Parteien bevorzugt, muss geändert werden, aber zusätzlich sollte endlich ein Vorzugsstimmenwahlrecht geschaffen werden, das diesen Namen auch verdient. Das heißt, eine Reihung erfolgt einfach nach der Menge der Vorzugsstimmen und aus. Eintrittswahrscheinlichkeit: 30%

Weniger Auto

Wien ist, wie alle anderen europäischen Städte auch, eine Autostadt. Autos beherrschen das Stadtbild, zwingen uns auf Gehsteige, Fahrradwege und sogar unter die Erde. Das wird sich auch mit Rot-Grün nicht fundamental ändern, sollte sich aber zumindest partiell verbessern und vor allem die Selbstverständlichkeit beseitigen, mit der heute das Auto als integraler Bestandteil einer städtischen Identität behandelt wird. Eintrittswahrscheinlichkeit: 40%

Mehr Menschenrechte

Es scheint als wäre bei der ÖVP Hopfen und Malz verloren. Dort zementiert mach sich auf einen Justament Standpunkt ein und argumentiert weiter für eine Schubhaft von Kindern und die Abschiebung von Babies. Umso wichtiger ist, dass so etwas zumindest in Wien kompromisslos verunmöglicht wird. Eintrittswahrscheinlichkeit: 70%

Mehr Integration

Die SPÖ hat eine Gewaltaufgabe vor sich: Die Rückeroberung des Gemeindebaus. Erste gute Ansätze gab es schon vor der Wahl, die aber wahrscheinlich zu spät kamen. Wichtig ist jetzt, das Thema Integration und Migration offen und offensiv anzugehen, ohne in einfache Angstmache zu verfallen. Eintrittswahrscheinlichkeit: 60%

Keine Angstmache

Und bitte aufhören mit diesem Schmafu vom subjektiven Sicherheitsgefühl und der Forderung nach mehr Polizei. Das können wir getrost dem burgenländischen Landeshauptmann überlassen. Eintrittswahrscheinlichkeit: 0%

Weniger Föderalismus

Obskure Verländerung kann doch getrost beim Onkel des Vizekanzler als Domäne bleiben. Von Wien erwarte ich mir eine kluge Stadtpolitik und keine Machtkämpfe um Lehrerposten und Kompentenzen, die dann ohnehin niemand wahrnimmt.  Übrigens sollten auch die Bezirksvertetungen in dieser Form abgeschafft werden, ganz einfach weil es diese Bezirksabindungen durch die WählerInnen ohnehin immer weniger gibt. Wäre doch mal was ein Gremium, das sich vernünftigerweise selbst abschafft. Eintrittswahrscheinlichkeit: 1%

Konkrete Projekte

Rot-Grün muss auch sichtbar und greifbar werden. Das heißt es müssen konkrete Projekte ausgearbeitet und vorgestellt werden. Aber da mache ich mir die wenigsten Sorgen.

Tags: Politik

October 30 2010

13:43

Mädchen für alles

Erinnert sich noch jemand an die Mohr im Hemd Debatte hier am Blog? Nach wie vor ist das der Beitrag mit den meisten Kommentaren hier und nach vor verstehe ich die Aufregung, um eine Speise nicht so ganz. Es gibt aber Werbungen die sind so richtig fies und das gleich auf mehreren Ebenen, ohne das es sofort auffällt. Die Firma Mercedes, deren Hauptaufgabe es ist Autos herzustellen, die mit hunderten PS auf Straßen fahren sollen, wo die Durchschnittsgeschwindkeit ohnehin nur 30 Km/h beträgt, hat gerade so ein Inserat im Spiegel publiziert.

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Unter der Woche sind Sie Chef. Am Wochenende Mädchen für alles.

Das impliziert zuerst einmal eines: Männer führen Firmen, leiten Konzerne, sind schlicht Vorgesetzte, während Frauen alles andere machen dürfen. Deswegen dürfen, weil Mädchen für alles anscheinend bedeutet mit den Kindern am Teppich herumzutollen, während das “Mädchen für unter Woche” gar nicht im Bild ist. Genau solche Werbungen sind ein gutes Beispiel dafür, woran es in Sachen Gleichberechtigung mangelt.

Es sind dabei aber nicht nur die Frauen, denen hier ein wünschenwertes Rollenbild aufgedrängt wird, sondern auch den Männern. Als Vater in Karenz, betrifft mich diese Werbung genauso, denn schließlich bin ich die ganze Woche höchstens der Chef in der Badewanne, wenn wir denn eine hätten. Ich wäre also gar nicht würdig, einen Mercedes zu fahren. Nach wie vor werden ganz selbstverständlich die Aufgaben Erziehung und Pflege, den Frauen zugeordnet, während Karriere und Beruf den Männern vorgeschrieben wird. Wer jetzt meint, das wäre ein wenig viel in eine Werbung hineininterpretiert, dem empfehle ich, sich einmal in Kindererziehungliteratur zu vertiefen. Bereits dort wird ganz selbstverständlich der Mutter die fürsorgliche Rolle zugeschrieben, während der Vater unter Tags arbeiten sollte. Bereits dort wird das Fundament für die spätere Ungleichbehandlung gelegt. Dazu braucht man übrigens nichtmal die Bücher zu lesen, es reicht eine Zählung der Fotos von Frauen mit Kindern in Vergleich zu Männern mit Kindern. Es wäre also viel wichtiger und nachhaltiger, einmal Erziehungsrategeber, Kinderbücher und die Werbung auf Stereotypen zu überprüfen als jedem Binnen-I hinterherzujagen.

October 14 2010

07:00

Was kommt nach nach der Wahl?

Ein paar Tage Nachdenkpause hat es schon gebraucht, um ein Resümee zur Wahl zu ziehen. Einige haben dazu schon sehr treffende Blogpostings geschrieben. Ich will mich jetzt nicht nur damit aufhalten, warum es so ausging, wie es eben ausging, sondern auch, was (fast) alle Parteien in Zukunft besser/anders machen könnten und wie die pessimistische Zukunft aussehen wird.

Beginnen wir mit der FPÖ.  Wir alle haben übersehen, dass FPÖ und BZÖ gemeinsam schon bei der letzten Nationalratswahl dieses Ergebnis erreichen konnten. HC Strache haben wir anscheinend unterschätzt. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass die Single-Issue Partei nur wegen ihres einzigen Themas von 27% gewählt wurde, sondern, dass es sich um Protest gegen “die da oben” handelt. Egal wem man eins auswischen will SPÖ, ÖVP, Grüne, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer etc. die FPÖ  ist da meistens die beste Wahl. Wenn die anderen Parteien also gegen die FPÖ reüssieren wollen, müssen sie sich auch als Alternativen zueinander und nicht nur zu FPÖ definieren und profilieren. Das ist natürlich in einer großen Koalition im Bund schwer, aber nicht unmöglich. Ein zweiter Aspekt wurde von Jana Herwig hervorragend herausgearbeitet, um langfristig der FPÖ beizukommen, braucht es vor allem Bildung, die unser derzeitiges Schulsystem nicht mehr leisten kann, Danke ÖVP.

Für die Grünen sollte die Aufgabe aber zu meistern sein, sich endlich nicht nur als Opposition zur Opposition darzustellen, sondern eine Alternative zum herrschenden System zu sein. Die Grünen sind bei dieser Wahl mit einem blauen Auge davon gekommen. Das verdanken sie Maria Vassilakou und Maria Fekter. Vassilakou konnte mit einer guten Performance in den TV-Konfrontationen punkten und Fekter schuf mit der grauslichen, inhumanen Schubhaft von zwei achtjährigen Mädchen einen ordentlichen Motivationsschub für die Grünen StammwählerInnen. In Zukunft müssen die Grünen vor allem an ihren Strukturen, an ihrer Kommunikation und an ihrer Professionalität arbeiten. Am einfachsten ist die Sache mit der Professionalität zu lösen. Die Schwächen in der Landesgeschäftsführung, aber auch in den Reihen der durchaus eigenwilligen Mitarbeiter müssen dringend beseitigt werden. Bezüglich Strukturen wird die Sache schon schwieriger. Bei den Grünen hat sich eine Pseudobasisdemokratie etabliert, die fälschlicherweise von Medien und SpitzenfunktionärInnen als Basisdemokratie bezeichnet wird. Den Wiener Grünen fehlt die notwendige Breite und Offenheit, die natürlich von den FunktionärInnen nicht gewünscht wird. Aber nur so konnten die Schwierigkeiten im 6. und 8. Bezirk entstehen. Noch etwas fehlt bei den Grünen, das ist die strukturelle Fantasie. Kann es wirklich sein, dass sich hunderte Funktionäre in Bezirkspolitik und Interna verzetteln, nur um es den “etablierten” Parteien gleich zu tun? Gerade von den Grünen würde man sich etwas anderes als die üblichen Parteistrukturen aufgeteilt nach Bezirken und Ständen erwarten. Interessanterweise bemühen sich aber gerade die Grünen, die anderen Parteien auf diesem Sektor zu kopieren mehr als beispielsweise die FPÖ.

Die ÖVP ist jedenfalls keine etablierte Partei mehr. Für mich war der radikale Absturz der Wiener ÖVP die Überraschung des Abends. Ein desaströser Wahlkampf, von dem vor allem der Claim “Schwarz macht geil”, das Geilomobil und ein äußerst sympatischer Michael Häupl übrig blieb. Eine schikanöse, grausliche und unmenschliche Fremdenpolitik haben dieses Ergebnis verursacht. Die ÖVP muss sich zukünftig die Frage stellen, ob dieser Unrechtskurs gegen Asylwerber wirklich forstgesetzt werden soll, nicht nur weil das christlichen Werten massiv widerspricht, sondern auch, weil es der ÖVP nichts bringt, sondern nur der FPÖ die Wähler zutreibt. Die SPÖ musste das schon mit Franz Löschnak und Karl Schlögl schmerzhaft erfahren, die ÖVP hat aus diesen Lektionen scheinbar nichts gelernt und wurde dafür von angewiderten WählerInnen abgestraft. Die Wiener ÖVP hat aber ein noch viel größeres Strukturproblem als die Grünen. In der Wiener ÖVP sind auf den Hinterbänken seit Jahrzehnten die selben FunktionärInnen im Einsatz, deren Innovationspotenzial und öffentliche Wirksamkeit enden wollend ist. Oder kann irgendjemand auf Anhieb die stadtpolitischen Errungenschaften der Herren Tschirf, Ulm, Aigner, Dworak, Gerstl, Hoch, Neuhuber, Tiller, Homole oder Stiftner nennen? Die Personaldecke der Wiener ÖVP ist dünn, aber sie ist vor allem deshalb so dünn, weil sich diese ignorante Partei niemand antun will. Um die Wiener ÖVP zu ändern, müssten morgen alle FunktionärInnen zurücktreten, die mehr als 10 Jahre Funktionen oder Ämter inne hatten. Das wird nicht passieren, sondern es wird ein traditionelles Obmannschießen gefolgt von einer mehrjährigen Starre eintreten, die den oben erwähnten Herren nur recht sein kann, um weitere 5 Jahre im Rathaus zu verschlafen.

Bleibt die SPÖ. Die sah lange Zeit wie die fixe Siegerin aus. Im Nachhinein muss man aber vier Dinge festhalten. Erstens, die Mobilisierung der SPÖ-AnhängerInnen hat diesmal nicht so gut geklappt, wie man das von der Wiener SPÖ gewohnt ist. Das liegt meiner Meinung nach vor allem am Feel-Good Wahlkampf der von der Löwelstraße betrieben wurde. Eine stärkere Konfrontation mit der FPÖ oder der Bundes-ÖVP hätte da wahrscheinlich geholfen. Zweitens, die Verschiebung des Budgets hat der SPÖ die Chance genommen, das eigene soziale Profil zu zeigen und damit Stimmen zu gewinnen. Drittens, die Ausrufung einer Volksbefragung zu einem Bundesthema war ein Fehler, da zu offensichtlich und total unpassend für die SPÖ. Bezeichnend dabei war Josef “Windrad” Cap, der wiedermal seine Meinung ändern musste. Und viertens hat auch die Abschiebung der beiden Mädchen der SPÖ geschadet. Bgm Häupl reagierte zwar noch, aber wahrscheinlich zu spät. Abgesehen davon trug der Fall natürlich dazu bei, dass sich viele daran erinnerten, wer denn diese Gesetze beschlossen hat. Die nächsten fünf Jahre werden zur großen Prüfung für die SPÖ. Unterliegt man der Versuchung einer billigen Koalition mit der ÖVP wird sich nichts neues für die Stadt ergeben. Die Verwaltung des Status Quo in Rot/Schwarzer Eintracht bedingen aber nahezu zwangsweise weitere Stimmenzuwächse für die FPÖ. Versuchung Nummer zwei ist die Fremden- und Asylpolitik, auch hier gibt es leider einige in der SPÖ die einen härteren Kurs fordern und hoffen, Strache quasi mit den eigenen Waffen zu schlagen, dass so etwas schief gehen muss, ist meiner Meinung nach klar und würde die SPÖ auf Jahrzehnte unwählbar machen. Das heißt einziger Ausweg für die SPÖ läge in einer Koalition mit den Grünen, um dort eine mutige Stadtpolitik zu machen.

Auf Bundesebene werden leider die hohen Zugewinne für die FPÖ massive Auswirkungen haben. Der Stimmenzuwachs in Wien führt nämlich einer wachsenden Akzeptanz der FPÖ und ihrer Sprache in Politik und Medien. Bald werden Stimmen laut werden, dass man 27% nicht ausgrenzen könnte und die FPÖ schließlich nahezu eine Million Wähler  habe. Vor allem für die ÖVP werden diese Argumente reichen, um zumindest die SPÖ unter Druck zu setzen und bei der nächsten Möglichkeit ein Heil in Schwarz/Blau zu suchen.

October 11 2010

10:15

#ppcast Resümee

Fast 6 Stunden waren wir gestern auf Sendung und es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Eine Interpretation des Wahlergebnisses werde ich morgen nachliefern. Sehr spannend war die Kombination aus Gästen vor Ort und die Einbindung von Twitter und Skype, die uns bestimmt nicht immer ganz gelungen ist. Danke jedenfalls an Volker Plass und Christoph Chorherr für die interessanten Einsichten und die gute Diskussion. Und weil ich gerade beim Danken bin auch ein großes Danke an Sektor5, die uns ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben und an Max und seinen Bruder für das Equipment.

In Zukunft haben wir einiges vor, das ich mal teilweise unabgesprochen mit meinen Kollegen poste und hier diskutiert werden soll.

Der Politikpodcast muss sich emanzipieren

Der Podcast muss weg vom BäckBlog, einerseits weil dadurch eine Vereinnahmung durch mich entsteht und andererseits weil es eben mehr ist als der Podcast zu einem Blog. Langfristig soll es eben der Podcast von politischen BlogerInnen in Österreich werden. Der Podcast sollte also eine eigene Url, eigenes Logo und eigenen Feed bekommen.

Wir senden Live

Das Live Format hat sich bewährt und sollte bei jedem Podcast zur Anwendung kommen. Zusätzlich gibts natürlich immer noch die Aufzeichnung davon.

Sollen wir uns weiter verbreiten?

Bisher war der Podcast immer von Konzept her so angelegt, dass sich politikinteressierte über Politik unterhalten, egal wie lang das dauert und egal wie das draußen ankommt. Podcasten hat eben den Vorteil, dass wir uns nicht an vorgegebene Formate halten müssen. Deswegen haben wir eine relativ schwache Moderation, vor der Sendung nur einen sehr rudimentären Themenplan und keine Zeitvorgabe. Würden wir uns bemühen unseren Podcast zum Beispiel auch auf Radio Orange oder auf Okto zu bringen, müssten wir uns einigen Regeln unterwerfen, die wir jetzt gerne missachten, andererseits erreichen wir dadurch eine breitere Masse.

Uns würden Eure Kommentare und Eur Vorstellungen interessieren, wie es weiter gehen soll mit unserem Podcast, was wir besser machen können und was wir beibehalten sollen?

October 10 2010

11:56

Heute Live ab 16:30: Podcast zur Wiener Landtagswahl

Heute ab 16:30 gibt es hier das unseren Stream zu sehen. Wir freuen uns über Mitwirkende via Skype - einfach den User politikpodcast anrufen - , via Twitter - Hashtag #ppcast - oder direkt vor Ort im Sektor 5 - einfach hinkommen und mitreden!-)

October 07 2010

19:34

Das Dilemma am Sonntag

Mir persönlich tut es weh, dass unserem Land hilfsbedürftige Kinder von 12 Polizisten, bewaffnet mit einem Sturmgewehr (STG-77), in Schubhaft gesteckt werden. Da kann das Innenministerium in der Form von Strassers persönlicher Lieblingspolizistin Michaela Kardeis noch tausendmal etwas von Unterbringung im Anhaltezentrum säuseln, die veröffentlichten Bilder auf ichmachpolitik sprechen da eine ganz andere Sprache und zeigen, wie mit Hilfsbedürftigen in unserem Land umgegangen wird.

Warum wird also eine gut integrierte Familie drei Tage vor einer Landtagswahl abgeschoben? Warum wird gegen zwei achtjährige Mädchen mit aller Härte des Gesetzes, mit dem Risiko dabei gegen die Menschenrechte zu verstoßen, vorgegangen und eine Familie auseinander gerissen? Ganz einfach, der ÖVP bringt es unter Umständen ein paar wackelige rechte Stimmen und der SPÖ wird es schaden, weil gar nicht wenige unter diesen Umständen doch lieber Grün wählen. Was wiederum die Chance der ÖVP erhöht, in die Stadtregierung zu kommen und dort ein paar Posten zu besetzen. So menschenverachtend wird im Innenministerium kalkuliert.

Ich will das nicht. Ich will nicht, dass in meinem Namen durch unsere Volksverteter im Parlament alle Jahre wieder die Asyl- und Fremdengesetze verschärft werden. Ich will nicht, dass Asylwerber bei uns automatisch mit Verbrechern gleichgesetzt werden und von Staat auch also solche behandelt werden. Ich will nicht von einer Regierung regiert werden, die meint durch bloße Umbenennung - Haft wird zur Unterbringung, Gefängnis zum Anhaltezentrum, Hausarrest zur Mitwirkungspflicht - schon nicht mehr gegen die Menschenrechte zu verstoßen. Ich will nicht, dass Kinder eingesperrt und wie erwachsene Verbrecher behandelt werden. Daher möchte ich am Sonntag, meine Stimme so abgeben, dass dieser Wille am besten zum Ausdruck kommt, oder noch besser, sich wirklich etwas ändert. Aber das ist gar nicht so einfach.

Bis vor kurzem war ich mir ganz sicher, am Sonntag SPÖ zu wählen. Einerseits weil die Wiener Grünen wirklich nicht meine Stimme möchten und andererseits, weil die SPÖ ihre Sache in Wien ganz passabel macht. Leider fehlt mir der große Aufschrei in der SPÖ. Der fehlte übrigens schon bei der Abschiebung von Arigona Zogaj, da wollte man wohl nicht die Krone verärgern. Es gibt zwar vereinzelte durchaus ehrenhafte SPÖ-Funktionäre wie Jürgen Wutzlhofer, Siegi Lindenmayer, Sandra Frauenberger und andere, die ihrer Empörung in verschiedenen Aussendung und Postings heute Ausdruck verliehen haben. Aber das reicht nicht wirklich. Was fehlt, ist ein Statement von Häupl aufwärts ganz wie Robert Misik das beschrieben hat. Die Frage ist also, reicht es SPÖ zu wählen und seine Vorzugsstimme beispielsweise Jürgen Wutzlhofer zu geben? Ich weiß es nicht.

Bleiben als noch die Grünen. Die haben zwar in Wien so ziemlich alles falsch gemacht im letzten Jahr und man könnte sich täglich 10 mal mit einen Brett auf den Kopf hauen und hätte wahrscheinlich immer noch keine Ahnung, was die Jungs und Mädels in der Lindengasse so denken oder eben nicht denken. Aber die Grünen waren und sind in Sachen Asylpolitik die einzige Partei (jetzt kommt mir ja keiner mit LIF oder KPÖ), die auf eine wirklich untadelige Vita zurückblicken kann. Ich behaupte mal, bei den Grünen tickt in dieser Frage jede MandatarIn, jede KandidatIn und jede FunktionärIn gleich. Dort gibt es also kein Risiko. Die Frage ist nur, was bringt es real, die Grünen zu wählen? Wahrscheinlich wenig. Sollte die SPÖ die Absolute nicht schaffen, dann wird sie sich den billigeren Partner ÖVP ins Boot holen und die Grünen dürfen wiedermal Opposition spielen. Aber Opposition ist Mist, sagte schon Franz Müntefering. Und recht hatte er. Eine Stimme für die Grünen wäre also vor allem eine fürs lupenreine Gewissen ohne besonderes Risiko, aber auch ohne großes Veränderungspotenzial.

Auf ein Argument möchte ich noch eingehen, dass in der Diskussion am Blog von Klaus Werner-Lobo gefallen ist. Wer Grün wählt, trägt dazu bei, dass die bewahrenden Kräfte in der SPÖ geschwächt werden und neue “menschenrechtsfreundlichere” PolitikerInnen das Ruder übernehmen. Darauf würde ich nämlich ganz und gar nicht wetten. Eine geschwächte SPÖ könnte auch bedeuten, dass man dort zu dem Schluss kommt, man müsse sich mehr den Forderungen der FPÖ annähern. Hatten wir ja alles schon mal.

Die Frage ist also, was tun am Sonntag. Ich weiß es nicht und erhoffe mir Erhellung in der  Diskussion hier am Blog.

PS: Heinz Fischer, das ist der Mann mit den Werten in der Hofburg, sitzt heute schon den ganzen Tag am Klo.

October 05 2010

22:08

Live und in Farbe: Politikpodcast am 10.10 im Sektor 5

Uns hats extrem viel Spaß gemacht, zur Steiermark Wahl live auf Sendung zu gehen. Aber das war eigentlich nur die Generalprobe. Am Sonntag gehen wir wieder ab 16:30 auf Sendung. Diesmal wird man uns aber nicht nur hier via Stream verfolgen, sondern auch besuchen können. Wir senden nämlich diesmal gemeinsam aus dem neue eröffneten Sektor 5 coworking space, die uns ihre Bar dankenswerterweise dafür zur Verfügung gestellt haben. Wenn Du also nicht bei einer politischen Partei zur Wahlparty eingeladen bist, uns immer schonmal vor Ort die Meinung geigen wolltest oder einfach nichts besseres zu tun hast, dann ist nächsten Sonntag die beste Gelegenheit dazu.

Unnötig zu sagen, dass das ganze natürlich ein Experiment ist!-) Für alle die nicht zu unserer Wahlsause kommen wollen, aber trotzdem etwas zu sagen haben, besteht natürlich wie beim letzten mal die Möglichkeit, sich via Skype einzuklinken oder seinen Senf via Twitter abzugeben. Unseren Hashtag haben wir nochmal überdacht er lautet nun #ppcast.

Angesagt haben sich Max Kossatz, der sich auch dankenswerterweise um die Technik kümmert, Natascha Chrobok, Martin SchimakSusanne Zöhrer und ich. Wir alle hoffen auf zahlreiche Besuche und eine spannende Diskussion.

Nochmal die Details:

Podcast ab 16:30 aus

sektor5
Siebenbrunnengasse 44
A-1050 Wien

#ppcast

September 26 2010

13:11

BäckBlog Politikpodcast LiveStream zur Landtagswahl in der Steiermark

Derzeit ist unser Stream noch offline. Ab 15:30 wird das BäckBlog Politikpodcast Team die Ereignisse rund um die Landtagswahlen in der Steiermark live kommentieren und diskutieren. Gäste sind diesmal in der Sendung herzlich willkommen, ihr braucht dazu nur Skype und ein Headset. Dann den User mit den phantasievollne Namen “geraldbaeck” adden und anchatten.

Wir nehmen natürlich auch gerne Kommentare per Twitter entgegen Hashtag dafür ist #ppc. Aber natürlich werden wir auch den #stmk10 Hashtag mitlesen.

Disclaimer: Wir testen dieses Livedings zum ersten mal, technische Mängel und unprofessionelle Moderation sind Teil des Konzepts. Trotzdem freuen wir uns über Feedback jeglicher Art, einfach hier unten kommentieren.

September 24 2010

19:33

Grüne Inserate für Martin Graf

Ja, ich schau ab und zu bei unzensuriert.at (Trotzdem kein Backlink für die Vollkoffer) vorbei. Schließlich muss man ja wissen, was so in den kruden Welten der Ängstlichen und Hysterischen vorgeht. Heute stieß ich aber auf etwas sehr interessantes, nämlich auf ein Google Adwords Inserat der Wiener Grünen auf der selben Seite. Das heißt also letztlich, dass wie Wiener Grünen derzeit Martin Grafs Homepage mit kleinen Beträgen aber doch mitfinanzieren. Wer Adwords kennt, weiß dass sowas schnell mal passieren kann, weil man, sobald man Ads im Display Netzwerk schaltet, nur schwer darüber Kontrolle hat, wo ein Inserat erscheint. Allerdings sollte eine Partei, die nichtmal eine Strachegasse (benannt nach Hugo Strache) duldet, da vielleicht etwas vorsichtiger sein!-))

gruene_unzensuriert1

grun21

September 21 2010

16:04

Der Podcast jetzt auch auf iTunes

Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, aber heute wurde unser Politikpodcast endlich auch auf iTunes frei geschalten. Wahrscheinlich fürchtete sich Apple vor den vielen Kraftausdrücken, die in Zusammenhang mit österreichischer Innenpolitik notwendig erscheinen. Ich empfehle allen BäckBlog Lesern ja den Podcast einfach über den Podcast Feed zu abonnieren, das macht uns nämlich alle ein bisschen unabhängiger von der Jobschen Zensurmaschine. Trotzdem ein zusätzlicher Distributionskanal kann nicht schaden und vielleicht ist ja einE HörerIn so nett und schreibt eine Rezension auf iTunes über unseren Cast!-)

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